Balkonkraftwerke werden in Deutschland immer beliebter. Vielleicht haben ja auch Sie bereits eine Stecker-Solaranlage auf der Garage? Sie sind günstig, leicht zu installieren und helfen, Stromkosten zu senken. Doch eine Frage hat uns immer wieder beschäftigt: Wer profitiert in Deutschland von dem ins öffentliche Stromnetz eingespeisten Strom eines Balkonkraftwerks?
In diesem Beitrag gehen wir darauf ein, wie die Verteilung funktioniert und warum man als Betreiber eines Balkonkraftwerks keine Vergütung für eingespeisten Strom erhält.
Eigenverbrauch: Der wichtigste Vorteil für Betreiber
Der größte Nutzen eines Balkonkraftwerks entsteht durch den Eigenverbrauch. Der erzeugte Solarstrom wird direkt im Haushalt genutzt und ersetzt teuren Netzstrom.
Typische Einsparungen pro Jahr:
- 150–300 € bei einer 800W‑Anlage
- abhängig vom Verbrauchsverhalten und der Ausrichtung der Module
Je mehr Strom man tagsüber selbst verbraucht, desto höher ist der finanzieller Vorteil.
Einspeisung ins öffentliche Netz: Keine Vergütung vorgesehen
Produziert das Balkonkraftwerk mehr Strom, als gerade benötigt wird, fließt der Überschuss automatisch ins öffentliche Stromnetz. Dafür erhältt man als Betreiber jedoch keine Einspeisevergütung.
Warum?
- Balkonkraftwerke gelten rechtlich als Stecker-Solargeräte.
- Der Gesetzgeber möchte die Nutzung vereinfachen.
- Eine Vergütung würde zusätzliche Bürokratie verursachen (Messung, Abrechnung, Verträge).
Daher ist die Einspeisung zwar erlaubt, aber nicht vergütet.
Bisher erhält man als Betreiber einer großen Solaranlage noch eine Einspeisevergütung, aber auch diese steht zur Diskussion.
Wer profitiert in Deutschland von dem ins öffentliche Stromnetz eingespeisten Strom eines Balkonkraftwerks?
Netzbetreiber und das Stromnetz
Der überschüssige Strom wird vom Netzbetreiber aufgenommen – kostenlos. Er trägt zur Netzstabilität bei und wird wie normaler Strom weiterverteilt.
Als Betreiber des Balkonkraftwerks entsteht daraus kein finanzieller Vorteil, aber auch kein Nachteil.
Aber auch der Stromanbieter hat nichts davon – nur der Netzbetreiber. Einen guten Überblick über die Rollenverteilungen im Strommarkt gibt’s unter enercity.
Kostenloser Strom für den Netzbetreiber
Der Netzbetreiber, genauer gesagt der Übertragungsnetzbetreiber, bekommt den eingespeisten Strom ohne Vergütung. Das bedeutet:
- Er muss diesen Strom nicht einkaufen.
- Er kann ihn im Netz weiterverteilen.
Das ist ein klarer, wenn auch kleiner, finanzieller Vorteil. Der hierdurch erwirtschaftete Gewinn wird einem besonderen Konto, dem sogenannten EEG-Konto (Erneuerbare-Energien-Gesetz-Konto), gutgeschrieben. Dieses Konto wird wiederum zur Finanzierung der Förderung erneuerbarer Energien verwendet.
Wie groß ist dieser Vorteil wirklich?
Balkonkraftwerke speisen nur wenige Kilowattstunden pro Jahr ein, weil sie auf Eigenverbrauch ausgelegt sind.
Typisch:
- 200–450 kWh/Jahr Überschuss
- Das entspricht einem Marktwert von vielleicht 40–90 € pro Jahr
Für den Netzbetreiber ist das also kein großer Gewinn, eher ein Nebeneffekt, der sich aber mit der Zunahme der Balkonkraftwerke aufsummiert.

Warum ist das System so gestaltet?
Der Fokus liegt klar auf Eigenverbrauch statt Einspeisevergütung. Das macht Balkonkraftwerke:
- unkompliziert
- genehmigungsfrei
- schnell einsatzbereit
- bürokratiearm
Damit sollen möglichst viele Menschen motiviert werden, selbst Strom zu erzeugen.
Was kann man tun, um die Einspeisung zu vermeiden?
1. Verbraucher zeitlich anpassen
Nutze stromintensive Geräte tagsüber, wenn das Balkonkraftwerk produziert:
- Waschmaschine
- Geschirrspüler
- Trockner
- Warmwasserboiler
- Staubsauger
- Computer
Das ist die einfachste und effektivste Methode.
2. Dauerverbrauch erhöhen
Einige Geräte können dauerhaft laufen, um Grundlast zu erzeugen:
- Router, NAS, Server
- Aquariumtechnik
- Luftreiniger
- Smart‑Home‑Zentrale
Je höher deine Grundlast, desto weniger Strom fließt ins Netz.
3. Geräte automatisieren
Mit Smart‑Plugs oder Zeitschaltsteckdosen kannt man Geräte automatisch einschalten, wenn die Sonne scheint.
Beispiele:
- Geschirrspüler startet automatisch um 12 Uhr
- Waschmaschine läuft, wenn die PV‑Leistung > 400 W ist
- Warmwasserboiler heizt nur tagsüber
4. Heizstab oder Mini‑Boiler nutzen
Ein kleiner 300–800‑W‑Heizstab im Warmwasserboiler kann überschüssigen Strom in Wärme umwandeln. Das ist eine sehr effiziente Methode, um Einspeisung zu vermeiden.
5. Kühlschrank/Gefrierschrank tagsüber stärker kühlen
Viele moderne Geräte können tagsüber stärker kühlen und nachts weniger arbeiten. Das spart Netzstrom und nutzt PV‑Strom optimal.
6. Batteriespeicher einsetzen
Die einzige Methode, die Einspeisung nahezu komplett verhindert. Damit kannt man abends und nachts den eigenen Solarstrom nutzen.
7. Wechselrichter drosseln
Eine nicht wirklich gute Idee besteht darin, den Wechselrichter so zu steuern, dass er keinen oder nur wenig Strom ins öffentliche Netz einspeist. Das führt dazu, dass das Balkonkraftwerk weniger Strom produziert, selbst wenn die Sonne eigentlich mehr liefern könnte. Um die Energiewende voranzubringen zählt aber jeder Strom aus regenerativen Quellen und reduziert damit die CO2-Bilanz. Er kommt somit der Gemeinschaft zugute. Und auch an sehr sonnigen Tagen sorgt der Netzbetreiber mit der Netzleittechnik für ein stabiles Netz.
Wer profitiert in Deutschland von dem ins öffentliche Stromnetz eingespeisten Strom eines Balkonkraftwerks? – Fazit
- Sie als Betreiber profitieren durch Eigenverbrauch – und sparen damit bares Geld.
- Der Netzbetreiber erhält überschüssigen Strom kostenlos, muss den Erlös aber auf ein spezielles Konto übertragen (EEG-Konto), mit dem erneuerbarer Energien gefördert werden.
- Eine Einspeisevergütung gibt es für Balkonkraftwerke nicht.
- Es gibt einige Möglichkeiten die Einspeisung ins öffentliche Netz zu reduzieren.
Balkonkraftwerke lohnen sich also vor allem dann, wenn möglichst viel des erzeugten Stroms direkt im eigenen Haushalt genutzt wird. Aber auch der eingespeiste Strom kommt der Allgemeinheit zugute.
